Ein wenig über unsere Geschichte

historische Aufnahme
Wo Wolle mit Wärme verkauft wird.
Aus der Geschichte eines traditionsreichen Familienunternehmens in Gera

Margarethe (1894-1974) und Kurt (1896-1954) Reichl gründeten 1934 ein kleines Geschäft mit Wolle, Wäsche und Strumpfwaren in Gera, nachdem Kurt Reichl schon einige Jahre als Reisender Händler tätig war und Erfahrungen im textilen Sortiment sammeln konnte.
Auch die Vorfahren der Reichls waren Weber und stammten aus den Textilhochburgen in Thüringen und Böhmen.

Durch das breite Angebot an qualitativ hochwertigen und trotzdem preiswerten Waren, ein Firmenprinzip welches bis heute einen zentralen Platz in der Firmenpolitik einnimmt, erwarb sich das kleine Geschäft schnell einen guten Ruf unter der Bevölkerung in der Stadt Gera und dem Landkreis. Nach dem Krieg beendeten 1946 beide Kinder, Vera und Helmut die Schule und lernten einen kaufmännischen Beruf, die theoretische Ausbildung an der Handelsschule Gera und die praktischen Fähigkeiten bei den Eltern im Geschäft.Wolle war nach dem Krieg sehr schwierig zu bekommen, fast alle Waren wurden rationiert. Stopfgarne erhielt man nur, wenn man im Geschäft Altstrümpfe abgab - die wiederum der Produktion zugeführt und mit einer neuen Lieferung verrechnet wurden. Es war die Zeit der Handarbeit, der Anfertigung und Ausbesserung von Bekleidung. Die Not brachte auch neue Ideen hervor. So konnte man bei "Woll-Reichl" das Anschuhen von Fersen und Sohlen bei Altstrümpfen als Dienstleistung durchführen lassen.

Woll-Reichl heute
Es wurde nichts weggeworfen - aus alt mach neu - war der Lebensinhalt, um in diesen Zeiten zu überleben. Das Sortiment Stoffe wurde verstärkt  nachgefragt, besonders die „Zackenlitze“ für Kleider und Blusen entwickelte sich in den 50ziger Jahren zum Verkaufsschlager.
Viele Fabriken von denen wir bislang Ware bezogen hatten, konnten aber die Nachfrage unseren Kunden nicht stillen, da Sie selbst nur wenige Rohstoffe zur Verfügung hatten und nur spärlich Fertigwaren bereitstellen konnten. Immer mehr machte sich nun auch der Einfluss des Staatlichen Handels (HO) und des DHZ Gera (staatlicher Großhandel) bemerkbar, deren Vertreter auf die privaten Einzelhändler nicht gut zu sprechen waren und deren Belieferung mit Waren hinten anstellten.Gute und häufig nachgefragte Erzeugnisse waren nun nur durch viel Einfallsreichtum und Beharrlichkeit von Margarethe und Kurt Reichl beschaffbar. Dieses Engagement war der Grund dafür, dass die Kunden Woll-Reichl auch in schweren Zeiten die Treue hielten. Trotz aller Schwierigkeiten ging es in den 50er Jahren mit der Wirtschaft der neu gegründeten DDR langsam aufwärts, es wurden mehr Waren produziert und die Schaufenster füllten sich wieder. Nach dem Tod von Kurt Reichl im Jahre 1954 führte Margarethe Reichl das Geschäft mit ihren Kindern erfolgreich weiter. Nach schwerer Krankheit verstarb 1966 Helmut Reichl. Margarethe Reichl und Tochter Vera waren zur Führung des Geschäftes von nun an auf sich gestellt. 1974 übergab Margarethe Reichl das Geschäft an Ihre Tochter Vera, nun verheiratete Beß. Dieses durfte aber nur mit staatlicher Beteiligung (HO Kommissionshandel) von ihr weitergeführt werden. In den für Einzelhändler schwierigen Zeiten der DDR-Planwirtschaft musste täglich für ein ansprechendes Warenangebot gekämpft werden. Trotzdem gelang es Vera Beß das Traditionsgeschäft Woll-Reichl erfolgreich fortzuführen. 1984 nahm nun die 3. Generation Herr Gunar Beß, Enkel der Eheleute Reichl, die Fäden der Firma in die Hand. Das Sortiment wurde soweit es aufgrund der schwierigen Versorgungslage möglich war, erweitert und angepasst. Wie in fast allen Bereichen herrschte auch hier Warenmangel, und es konnte beispielsweise nur eine Sorte Wolle in 3 Farben angeboten werden und das auch nicht zu jeder Tages- und Wochenzeit. Obwohl sich die Warenrationierung für das Geschäft seitens des staatlichen Großhandels im Bezirk Gera, (SGB Pößneck) bemerkbar machte, gab es bei Woll-Reichl immer etwas Besonderes für die Kunden. Durch großen Einfallsreichtum und den über die Jahre aufgebauten "Beziehungen" gelang es immer wieder "Textilimporte aus China und dem nichtsozialistischen Ausland" im Geschäft anzubieten. Diese Artikel fanden natürlich reißenden Absatz und trugen zum guten Namen der Fa. Woll-Reichl bei. Auch heute unter völlig anderen Bedingungen, steht der Kunde bei Textilfachgeschäft Woll-Reichl wie damals vor über 80 Jahren im Mittelpunkt. Unser Bestreben ist es Ihre Wünsche zu erfüllen mit einem breiten Sortiment an Wolle, Kurzwaren, Wäsche, Nachtwäsche, Miederwaren, Strümpfe und Strumpfhosen sowie Schürzen für die ganze Familie.
Motto des täglichen Handelns früher wie heute ist: "In Stadt und Land spricht man wohlgemuth - bei Woll-Reichl kauft man Qualität preiswert und gut."

Kurt ReichlKurt Reichl
Margarethe ReichlMargarethe Reichl
Helmut ReichlHelmut Reichl
Vera BessVera Beß
Gunnar BessGunar Beß

Historie

1934
Gründung des Ladengeschäftes "Woll-Reichl"

in Gera, Greizer Str.
mit Wolle, Wäsche und Strumpfwaren durch Margarethe und Kurt Reichl.


1937
Umzug in größere Geschäfträume

in die Große Kirchstr. denn die Erweiterung des Sortiments und der Kundenzuspruch verlangten nach mehr Platz.


1941
Umzug des Geschäftes in die Große Kirchstraße 13

im Herzen von Gera. Seit dieser Zeit finden die Geraer unseren Laden bis heute unter dieser Geschäftsadresse.


1948/1949
Währungsreform, Entstehung von
2 dtsch. Staaten mit unterschiedlichen politischen Systemen

führten zum Abbruch guter alter Geschäftsbeziehungen zu Lieferanten z. B. aus der schwäbischen Alb.

1954
Übernahme des Geschäftes durch Margarethe Reichl

nach dem Tod ihres Mannes Kurt.

1966
Tochter Vera unterstützt ihre Mutter in der Geschäftsführung

nach dem der Bruder Helmut nach schwerer Krankheit verstarb.

1974
Tochter Vera, verheiratete Beß, übernimmt die Geschäftsführung

im teilverstaatlichtem Betrieb - Woll-Reichl wurde zum HO-Kommissionshandel.

1984
Gunar Beß, übernimmt in 3. Generation die Geschäftsführung

und führt das Geschäft durch die turbulenten Wendejahre bis heute.